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Institut für Wissenschaft und Kunst (IWK)

Jour fixe Bildungstheorie | Bildungspraxis

Sommersemester 2022

Validierung als Bildung: dialogische Validierungsformate in der Erwachsenenbildung

Referenten Peter Schlögl, Martin Schmid, Elke Schildberger, Wolfgang Kellner, Margarete Ringler
Ort Online Vorträge

Veranstaltungsreihe organisiert von:
Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien

Ring Österreichischer Bildungswerke
Verband Österreichischer Volkshochschulen
Institut für Wissenschaft und Kunst

Die Validierung des nicht-formalen und informellen Lernens wird seit Mitte der 2000er Jahre europaweit forciert, basierend auf EU-Empfehlungen und im Kontext der weltweiten Einführung nationaler Qualifikationsrahmen. Ein zentraler Anspruch dabei: Kompetenzen erkennen und anerkennen, unab- hängig davon, wo sie erworben wurden. Kompetenzerfassung gewinnt dabei eine Schlüsselfunktion und hält auch Einzug in die Erwachsenenbildung (EB) – eher zögerlich und mit kritischer Resonanz seitens der allgemeinbildenden EB: Begrüßt wird eine Erweiterung der Zugangsmöglichkeiten im Bildungs- und Berufssystem, befürchtet wird die verstärkte Ausrichtung der gesamten EB auf Employability inkl. mehr Testen, Messen, Standardisieren.

Seit Anfang der 2000er Jahre werden in der österreichischen Erwachsenenbildung dialogisch ausgerichtete Validierungsformate entwickelt und angeboten. Im Bildungsdiskurs werden sie als formative Verfahren bezeichnet. Kennzeichnend für die formative Ausrichtung sind u.a. Entwicklungs- und Lernorientierung, Anforderungsunabhängigkeit, Selbstbewertung. Sie grenzen sich ab von den dominierenden summativen Verfahren, deren Charakteristika Anforderungsabhängigkeit, Fremdbewertung, Abschlussorientierung bzw. offizielle Anerkennung oder Zertifizierung sind (wobei formative Erkundungen häufig Elemente im Gesamtprozess summativer Validierungen).

Die frühen formativen Formate nannten/nennen sich „Kompetenzbilanz“, „Kompetenzprofil“, oder „Kompetenzportfolio für Freiwillige“ und erkunden das informelle Lernen im Alltag, im Ehrenamt, im Beruf, im Hobby und in anderen informellen Feldern – um es für die persönliche und berufliche Orien- tierung nutzbar zu machen. Jüngere formative Formate sind z. B. die „Kompetenz+Beratung“ und der Freiwilligennachweis des Sozialministeriums. Mit biographisch orientierten Methoden, kritischer Selbstreflexion oder Peer-Learning-Prozessen haben diese formativen Formate eine Nähe zu Bildungsideen der allgemeinen Erwachsenenbildung („Validierung als Bildung“), verweisen aber gleichzeitig auf Wege einer produktiven Überwindung der tradierten Abgrenzung zwischen allgemeiner und beruflicher Erwachsenenbildung bzw. Bildung und Ausbildung. Nach 20 Jahren Erfahrung mit Entwicklung und Implementierung von Validierungsformaten steht ihre Durchsetzung in der österreichischen Erwachsenenbildung immer noch am Prüfstand. Im Jour fixe Bildungstheorie I Bildungspraxis im Sommersemester 2022 versuchen wir eine Art Zwischenbilanz, insbesondere für die dialogisch- formativen Verfahren, aber im Blick auf den Gesamtprozess der Validierung in Österreich und international.

Weitere Informationen unter:
https://www.facebook.com/JourFixeBildungstheorie
https://bildungswissenschaft.univie.ac.at

► Mittwoch, 04.05.2022, 19:00 Uhr

https://us06web.zoom.us/j/84255027527?pwd=N1orNHV5b GpibHhtZVJwZHJQY1E3UT09
Meeting-ID: 842 5502 7527, Kenncode: 333235

Peter Schlögl (Klagenfurt, Wien):
Warum es mit Validierung (in Österreich) so schwierig ist

Die verblüffend einfache Idee, dass das, was Menschen wissen, können oder in der Lage sind zu tun, nicht wiederkehrend demonstriert, repliziert oder deklariert werden muss, trifft in Österreich auf erwartbare aber auch unerwartete Widerstände. Dies sind einerseits nicht gerade triviale Verwaltungs- und Zuständigkeitsprobleme, aber darüber hinaus auch unterschiedlichste Verständnisse von Lernen. Zugehörige Konnotationen und Wertungen zeigen sich vielfach an der Sprache, wie sich Lernen und Bildung in unseren fachlichen Dialogen manifestiert. Es wird explorativ aus- gelotet, welche hemmenden oder förderlichen, aber jedenfalls vorprägenden Verständnisse hier vorgefunden werden können.

Peter Schlögl ist Professor am Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung an der Universität Klagenfurt und wissenschaftlicher Leiter des Österr. Instituts für Berufsbildungsforschung (öibf).

► Mittwoch 11.05.2022, 19:00 Uhr

https://us06web.zoom.us/j/82411796343?pwd=TW45MGcxR 255Ui95YVJKWkRacUpjUT09
Meeting-ID: 824 1179 6343, Kenncode: 100888

Martin Schmid (Muttenz/Schweiz): Validierung aus sozialpolitischer Perspektive

Die Validierung von non-formal und informell erworbenen Kompetenzen hat u. a. zum Ziel, von Erwerbslosigkeit Betroffene in den Arbeitsmarkt zu (re-)integrieren. Dazu wurden verschiedene Verfahren für unterschiedliche Zielgruppen entwickelt. Nach einigen Jahren Erfahrung mit diesen Instrumenten und Prozessen stellt sich die Frage, ob damit auch tatsächlich erreicht wurde, was ursprünglich intendiert war.

Martin Schmid lehrt und forscht als Dozent für Erwachsenenbildung und Weiterbildung an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Muttenz sowie an der Universität Basel.

► Mittwoch, 08.06.2022, 19:00 Uhr

https://us06web.zoom.us/j/84480549027?pwd=L0hmMFlvW kNCTmlOSklYTDFXQWdzZz09
Meeting-ID: 844 8054 9027, Kenncode: 896471

Elke Schildberger (Linz):
Validierung von „Soft Skills“ – (wie) geht das?

Der prozesshafte Charakter vieler formativer Validierungs- verfahren – wie zum Beispiel CH-Q Kompetenzmanagement oder Profilpass – impliziert beim Einsatz in Gruppen oder in Einzelsettings dialogische Aspekte. Dabei liegt der Fokus häufig auf Kompetenzen außerhalb fachlicher Domänen. Die dafür verwendeten Begrifflichkeiten sind vielfältig – Soft Skills, Life Skills, überfachliche Kompetenzen oder trans- versale Kompetenzen, um nur einige Beispiele zu nennen. Der Beitrag versucht eine Begriffsklärung und geht auf Erfahrungen mit der Validierung dieser Kompetenzen im CH-Q Verfahren sowie auf neue Entwicklungen und Projekte im Bereich der transversalen Kompetenzen ein. Zudem wird kritisch hinterfragt, wo Chancen und Grenzen der Validierung in diesem Bereich liegen.

Elke Schildberger leitet das Institut für Bildungsentwicklung in Linz (BILL).

► Mittwoch, 15.06.2022, 19:00 Uhr

https://us06web.zoom.us/j/83397227107?pwd=ek 9mTXFmQUFGaWNJNFViUEhkbXhRdz09
Meeting-ID: 833 9722 7107, Kenncode: 585181

Wolfgang Kellner, Margarete Ringler (Wien, Innsbruck):
Validierung als Bildung: der Lernort Ehrenamt als Ausgangspunkt

Das informelle Lernen im Ehrenamt ist im Ring Österr. Bildungswerke seit über 20 Jahren Ausgangspunkt für die Entwicklung und Einführung dialogischer Validierungsformate für verschiedene Zielgruppen und Bereiche: vom außerschulischen Lernen Jugendlicher bis zu Formaten für die Bildungsberatung. Freiwilliges Engagement im (wörtlichen) Sinne eines selbstgewählten, gemeinsamen und leidenschaftlichen Tätigseins bildet einen Kristallisationskern für alle Formate. Wir präsentieren exemplarische Erfahrungen mit den Formaten und fragen, inwiefern dialogische Validierung ein konstitutives Element für die allgemeinbildende Erwachsenenbildung werden könnte oder sollte: Validierung als Bildung!

Margarete Ringler ist Geschäftsführerin des Tiroler Bildungsforums;
Wolfgang Kellner ist Leiter des Bildungs- und Projektmanagements im Ring Österreichischer Bildungswerke.

Der Jour fixe Bildungstheorie | Bildungspraxis: Die Veranstaltungsreihe ist eine Kooperation zwischen Erwachsenenbildung und Universität, in der das Theorie-Praxis-Verhältnis der Erwachsenenbildung als lebendiger Diskurs gepflegt wird. Im Zentrum der Diskussions- und Vortragsabende, Expert*innengespräche und Workshops – an vier bis fünf Terminen pro Semester – stehen offener Austausch, Perspektivenwechsel, theoretische Reflexion und Kritik. Die Reihe ist offen für alle Interessierten.

Konzept und Organisation:

Bettina Dausien: Professorin für Pädagogik der Lebensalter am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien. Wolfgang Kellner: Leiter des Bildungs- und Projektmanagements im Ring Österreichischer Bildungswerke.

Stefan Vater: wissenschaftlicher Mitarbeiter der Pädagogischen Arbeits- und Forschungsstelle des Verbands Österreichischer Volkshochschulen

Kontakt und Information:
Institut für Wissenschaft und Kunst (IWK), Berggasse 17/1, 1090 Wien, Tel.: 0043-1-317 43 42,
iwk@iwk.ac.at, http://www.iwk.ac.at